Über Typ-1-Diabetes

Zum Weltdiabetestag

Immer mehr Menschen erkranken an Typ-1-Diabetes. Die Globale Plattform zur Prävention des Autoimmunen Diabetes (GPPAD) verfolgt das langfristige Ziel, die Entstehung der Krankheit zu verhindern.

Seit Anfang 2019 arbeiten wir, die Identitätsstiftung, mit dem Zusammenschluss mehrerer akademischer Forschungseinrichtungen und Kliniken in Europa zusammen. Wir entwickeln eine Geschichte über Uno, den kleinen Forschergeist, der die teilnehmenden Kinder und deren Eltern bei einer Präventionsstudie über mehrere Jahre begleitet.

Das Institut für Diabetesforschung des Helmholtz Zentrum München übernimmt die Koordination innerhalb GPPAD. Die Expert*innen vor Ort erzählen in unserem Interview von den Herausforderungen, ihrer Vision und ersten Erfolgen innerhalb der Studien.

Was genau hat sich GPPAD zur Aufgabe gemacht?

Die Studien im Rahmen von GPPAD legen ihren Fokus auf die Prävention der Betazell-Autoimmunität, einer fehlerhaften Reaktion des Immunsystems, die einem Typ-1-Diabetes (T1D) ursächlich vorausgeht. Die Prävention sollte im Kleinkindalter oder früher beginnen, da Betazell-Autoimmunität häufig bereits im ersten oder zweiten Lebensjahr auftritt. GPPAD möchte eine internationale Infrastruktur für Studien zur Vorbeugung der Entstehung von T1D etablieren.

Eine Welt ohne Typ-1-Diabetes – Welche gesellschaftlichen Auswirkungen hätte ein Erfolg der Vision „A World Without 1“?

Das wäre eine medizinische Sensation! Seit fast 100 Jahren wird Typ-1-Diabetes mit Insulin behandelt, eine Heilung gibt es nach wie vor nicht. Die Erkrankung erfolgreich zu verhindern hieße für Millionen von Menschen, dass sie nie damit beginnen müssten, sich täglich mehrfach Insulin zu spritzen. Folgeschäden, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisungen und verkürzte Lebenserwartung würden der Vergangenheit angehören. Es müssten nicht mehr ganze Familien ihr Leben ändern, nachdem Typ-1-Diabetes bei einem Kind diagnostiziert wurde. Die Gesundheit und Lebensqualität unzähliger Menschen wäre ab diesem Zeitpunkt unbeeinträchtigt von den zahlreichen Konsequenzen einer chronischen Erkrankung. Und natürlich würden die Gesundheitssysteme weltweit entlastet.

Erzählen Sie uns etwas über die Studien

Bei der „Freder1k“-Studie testen wir Neugeborene bis zum Alter von vier Monaten kostenlos auf ein Risiko für T1D. Wenn Kinder ein erhöhtes Risiko aufweisen, laden wir sie zur Teilnahme an unserer „POInT“-Studie ein. Hier geht es dann um die Vorbeugung von T1D. Dabei soll mit Insulinpulver, das mit der Nahrung aufgenommen wird, das Immunsystem „trainiert“ und der Angriff von körpereigenen Strukturen verhindert werden. So wollen wir versuchen, der Entstehung eines Typ-1-Diabetes vorzubeugen.

Welchen kommunikativen Herausforderungen stehen Sie bei dem Thema Typ-1-Diabetes und Ihrem Vorhaben gegenüber?

Die Umsetzung der Vision von GPPAD erfordert die Beteiligung und das Engagement der breiten Öffentlichkeit. Die Prävention von T1D ist ein globales Anliegen und braucht die Unterstützung von Kliniken, der Wissenschaft und Politik, als auch von Laien gemeinsam. Der Erfolg von GPPAD wird davon abhängen, inwieweit es gelingt, alle beteiligten Gruppen einzubinden und von der Notwendigkeit zu überzeugen, gemeinsam die Voraussetzungen für die Prävention einer chronischen Erkrankung im Kindesalter zu schaffen, die in den westlichen Industrienationen gegenwärtig etwa vier von 1.000 Kindern betrifft. Eine große Herausforderung liegt dabei in den wenig verbreiteten Kenntnissen über die Erkrankung, ihre Folgen und dass es jedes Kind treffen kann. Auch ist es nicht immer einfach zu vermitteln, was ein erhöhtes genetisches Risiko bedeutet.

Konnten Sie bereits erste Erfolge erzielen?

Über alle Studienstandorte hinweg haben wir mittlerweile über 130.000 Babys im Alter bis zu vier Monaten auf ein erhöhtes genetisches Risiko für T1D getestet. Die Freder1k-Studie erkennt unter 100 Kindern das eine Kind mit erhöhtem Risiko für Typ-1-Diabetes.

Pressekonferenz freder1k Studie

Was sind denn die nächsten Schritte?

Insgesamt wollen wir über 300.000 Kinder in das Screening „Freder1k“ einschließen und mehr als 1000 Kinder in die Präventionsstudie „POInT“. Entsprechend werden wir den eingeschlagenen Weg weitergehen, Familien über unsere Forschung zu informieren und eng mit Ärzt*innen und Kliniken zusammenzuarbeiten. Außerdem sind wir dabei, mit Newcastle und Cambridge weitere Studienstandorte in GPPAD aufzunehmen.

Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Leider wissen immer noch viel zu wenige Menschen von dieser gefährlichen Krankheit, Symptome werden häufig erst spät erkannt und dadurch wird zu spät gehandelt.
Die neue Dialogkampagne vom Institut für Diabetesforschung des Helmholtz Zentrums München soll das ändern. Mehr Infos zur Kampagne gibt es hier.

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